Firmengeschichte
Die Wurzeln unseres Unternehmens reichen bis ins Jahre 1924. Obwohl es schon vorher feine Triebe gab, wie wir aus der Biographie des Firmengründers, Stadtbaumeister Rudolf Jäger, wissen:
1882 in Bultendorf in Böhmen geboren, erlernt er - wie sein Vater - das Maurerhandwerk und tritt 1907 bei der Fa. Richard Frauenfeld in St. Pölten ein. 1911 verstirbt Bm. Frauenfeld und Rudolf Jäger wird zum Mitgesellschafter des Unternehmens. Durch seine Berufung als Sachverständiger beim k & k Kreisgerichtspräsidium macht er sich in dieser Zeit auch öffentlich äußerst verdient. Diese Aufgabe wurde übrigens Tradition im Bauunternehmen Jäger: auch die späteren Gesellschafter, Bm. Helmut Jäger und Bm. Erich Schätz, waren gerichtlich beeidete Sachverständige.
Ein Bau aus dieser Zeit, der die Leistungsfähigkeit des Unternehmens dokumentiert, steht in der Dr. Karl-Renner Promenade in St. Pölten - die Synagoge. In der Chronik ist nachzulesen, dass von der jüdischen Gemeinde über 150.000 Kronen aufgebracht wurden, um - wie dort wörtlich steht: "... ein innen und außen auf das Munifizenteste ausgestattetes Bauwerk, das eine prächtige Zierde der Stadt St. Pölten bilden wird..." durch die Baumeister Wiedemann, Prickler und - JÄGER errichten zu lassen. Übrigens sehen wir daraus, dass Arbeitsgemeinschaften keine Erfindung unserer Zeit sind.
Das Jahr 1915 bringt - bedingt durch die Kriegsereignisse - die Auflösung der Firma Frauenfeld & Jäger. Aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, tritt Rudolf Jäger 1919 in die St. Pölten Baufirma Zeilinger als Geschäftsführer ein. Unter dem Nahmen "Zeilinger & Jäger" mit dem Standort St. Pölten, Rennbahnstraße, entsteht 1924 eine neue Firma, wobei jedoch Bm. Zeilinger noch im selben Jahr aus dem Unternehmen ausscheidet. Allen zeitbedingten Problemen zum Trotz entfaltet sich der Betrieb und wird laufend vergrößert. Bilddokumenten zufolge beschäftigt sich der Baumeisterbetrieb mit Geschäftsumbauten, Einfamilienhäusern, führt Aufträge für Industriebetriebe aus sowie technisch aufwendigen Ingenieurbau. So zum Beispiel die Errichtung eines Kesselhauses im Norden der Stadt, datiert 1938. Im selben Jahr wird der Firmensitz auf den Mühlweg Nr. 40 verlegt.
Der Tod des Firmengründers am 3. Juli 1947 wird für das Unternehmen zur Existenzfrage: Sohn Rudolf, der als Nachfolger bestimmt war, ist im Krieg gefallen, Sohn Helmut hatte die Fachrichtung Maschinenbau absolviert. Der Betrieb selbst hat sich vom Niedergang im Jahr 1945 bereits wieder erholt und beschäftigt 46 Mitarbeiter, davon 7 Lehrlinge und 2 Frauen. Die Gattin, Franziska Jäger, entschließt sich daher, das Unternehmen als Witwenbetrieb fortzuführen, stellt 1948 den 32-jährigen Ing. Erich Schätz als ihre rechte Hand ein und verlegt Kanzlei und Lagerplatz an den Standort, Kremser Landstraße 24.
Der Weg, qualifiziertes Fachpersonal heranzubilden wird durch verstärkte Lehrlingsausbildung fortgesetzt - der Betrieb zählt zu den größten Lehrlingsausbildern in der Region St. Pölten.1952 wird der Witwenbetrieb in eine Offene Handelsgesellschaft mit den Gesellschaftern Franziska Jäger, die jedoch 1956 verstirbt, Sohn Bm. Helmut Jäger und dem bisherigen Geschäftsführer, Bm. Erich Schätz, umgewandelt. Das Unternehmen expandiert: es wird 1957 eine Filiale in Traisen gegründet, 1958 der Baubetrieb Winkler in Spratzern sowie der Baumeisterbetrieb Pohl in Hohenberg übernommen.
Im darauffolgenden Jahrzehnt wächst das Unternehmen kontinuierlich: der Beschäftigtenstand steigt auf über 200 Mitarbeiter, die Realitätenvermittlung und Gebäudeverwaltung sowie der Handel mit Baustoffen, Eisen und Stahl werden in das Aufgabengebiet eingegliedert. Die Offenheit für die Notwendigkeit von technischen Erneuerungen lässt das Unternehmen bereits 1961 der IFA als aktives Mitglied beitreten - einer deutschen Betriebsberatungsgruppe die sich vor allen mit dem technischen Bauablauf, der Arbeitsvorbereitung und der Datenerhebung direkt auf der Baustelle und dem dazu erforderlichen Beleg- und Formularwesen beschäftigt. Die konsequente Anwendung dieser arbeitswissenschaftlichen Methoden bringen eine wesentliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.
1968 gründet das Unternehmen mit vier österreichischen Baufirmen die "KORING-BAU", eine Kooperationsgruppe auf der Achse Wien-Salzburg, mit dem Ziel, durch Rationalisierung einen optimalen Baustellenablauf zu erreichen und auf dieser Basis ein Typenhausprogramm zu erstellen um damit zusätzliche Märkte zu erschließen.
Im gleichen Jahr wird die OHG in eine Kommanditgesellschaft mit einer GmbH als Komplementär umgewandelt.
Als Alternative zur traditionellen Ziegelbauweise errichtet im Jahr 1970 das Unternehmen, gemeinsam mit dem Kremser Bauunternehmer Schubrig, die "FEBAU-KREMS": es werden Betonfertigteile für Industrie- und Wohnhausbauten erzeugt.
Ein Jahr später schließt sich das Unternehmen dem Arbeitskreis "Mischbau" an, wo mit Technikern aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, Probleme des Ziegel-Stahlbetonbaues, Fertigteilbereiches und deren Rationalisierung bearbeitet werden. Zur selben wird der Betrieb Mitglied im Arbeitskreis "Hochbau Wien", der seine Aufgabe in der Einführung des Leistungslohnes und der Arbeitsvorbereitung in Österreich hat.
Sehr früh wird auch einem anderen, zukunftsweisenden Trend Rechnung getragen: die EDV hält Einzug in den kaufmännischen Bereich des Unternehmens, wodurch es möglich wird, eine baustellenbezogene Kostenerfassung einzuführen.
Die Expansion des Unternehmens schreitet zügig voran: 300 Beschäftigte, Arbeitsgemeinschaften werden zur Bewältigung von Großbaustellen geschlossen, 1975 die Filiale in Pöggstall eröffnet, 1976 durch den Ankauf der Baufirma Fritz Schoderböck im 12. Bezirk in Wien der Schritt in die Bundeshauptstadt gewagt und 1978 die Filiale in Purkersdorf gegründet.
In dieser Zeit beginnt sich auch im Baugeschehen eine neue Sparte zu etablieren: der Fertighausbau. Die Jäger-Verbund-Betriebe, wie zwischenzeitig die weit verzweigte Unternehmensstruktur bezeichnet wird, tragen auch dieser Entwicklung Rechnung und treten in die in Österreich aus acht Firmen bestehende Baumeister-Haus-Kooperation ein und übernehmen das Typenhaus-Programm für das Gebiet Niederösterreich, das unter dem Namen "BAUMEISTER-HAUS" massive schlüsselfertige Einfamilienhäuser zum Fixpreis anbietet. Durch zentrale Planung, Wertvorgaben und Werbung, sowie Erfahrungsaustausch innerhalb der Mitgliedsbetriebe, wird eine Senkung der Kosten und leichtere Erschließung neuer Kundenkreise, trotz höherer Serviceleistung für den Auftraggeber, erreicht.
Auch an öffentlichen Auszeichnungen fehlt es nicht: 1988 vergibt die Stadt Wien erstmalig den Stadterneuerungspreis und verleiht dem Unternehmen für die Totalsanierung des "Plattensteinhauses", einem Biedermeierjuwel im 2. Bezirk in der Karmelitergasse, den 1. Preis. 1989 kann mit der Renovierung der Mitterberggasse in Wien-Währing der 2. Preis errungen werden.
Die Erhebung der Stadt St. Pölten zur Landeshauptstadt bleibt auch für das Unternehmen nicht ohne Folgen: das Bauvolumen wächst und in gleichem Ausmaß steigt der Konkurrenzkampf. In weiser Voraussicht setzt die Geschäftsführung der Firma Jäger rechtzeitig entsprechende Maßnahmen: Teilbereiche werden rechtlich selbständig, Investitionen in Geräte und Fuhrpark und Steigerung der Qualifikation der Mitarbeiter. Der Erfolg lässt nicht auf sich warten: das Unternehmen erhält den Zuschlag für die größten Bauvorhaben in seiner Geschichte - die Wohnhausanlage Lederergasse 6 - 8 und das Personalwohnheim der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt im 12. Bezirk in Wien.
Und ein weiterer Schritt wird von den Seniorgesellschaftern schon seit längerem vorbereitet: die Übergabe der Führung des Unternehmens in jüngere Hände.
1994 ist es dann so weit: die Altgesellschafter, Baumeister Jäger und Technischer Rat Baumeister Schätz vertrauen Mitarbeitern, mit über zwanzigjähriger Berufserfahrung, ausgebildet im Unternehmen, ihr Lebenswerk an. Die Gesellschafter Technischer Rat Baumeister Josef Sekora, Ing. Leopold Pasteiner und Gabriele Straube übernehmen die Geschäftsführung der Jäger GmbH, eine neue Arä beginnt.
Der Wunsch der Seniorgesellschafter ist Auftrag für die neue Führung und ihren Neubeginn: "Sichert den Bestand mit all Eurer Kraft, Intelligenz und Kreativität, mit allen Mitteln die rechtens sind, lernt aus der Erfahrung, gebt den Mitarbeitern das Gefühl eine große Familie zu sein und baut die Zukunft der Firma Jäger!"
Nach dem Tod von Baumeister Schätz im Jahr 1996 zieht sich das Unternehmen aus der Ifa-Beratungsgruppe zurück, da diese ihren Schwerpunkt nach Deutschland verlagert, und scheidet aus der Baumeisterhaus-Kooperation aus.
Der Auftrag über die "Geschützte Werkstatt", ein betonintensives Bauvorhaben, veranlasst das Unternehmen, die Betonherstellung selbst in die Hand zu nehmen und errichtet 1999 in St. Pölten-Spratzern eine mobile Mischanlange, die mit ihrer Kapazität auch andere Bauvorhaben mit Beton versorgen kann.
Der Grundstein für einen weiteren wirtschaftlichen Schwerpunkt ist damit gelegt. Grundstücke in Ragelsdorf, die bereits 2001 erworben wurden, dienen der Schotter- und Kiesgewinnung und versorgen auch die eigenen Mischanlage, die nach Fertigstellung des Bauvorhabens von Spratzern nach Ragelsdrof überstellt wird. Mit vier eigenen Mischwägen werden neben eigene auch fremde Baustellen beliefert.
Der Weg, der 1994 bereits von den Altgesellschaftern vorgezeichnet wurde, wird mit Ing. Christoph Mandlbauer, der seit 1991 im Unternehmen tätig ist, fortgesetzt: von den Erben nach BM Helmut Jäger, der 2002 im Alter von 88 Jahren stirbt, erwirbt er 2004 Gesellschaftsanteile am Unternehmen.
Das Firmengelände, das sich aufgrund der Erweiterung der Stadt St. Pölten nun in zentraler Lage und nicht mehr am Stadtrand befindet, platzt aus allen Nähten und hemmt den Fortschritt des Unternehmens: 2008 wird ein Grundstück im Gewerbegebiet von St. Pölten-Radlberg im Ausmaß von 33700 m² zur Errichtung eines neuen Bürogebäudes und Lagerplatzes angekauft, der Bau wird noch im gleichen Jahr begonnen und nach nur 1-jähriger Bauzeit, am 27. November 2009, offiziell eröffnet. Die neue Firmenanschrift ändert sich - nach 60 Jahren - von Kremser Landstraße 24 auf Tiroler Straße 2.
Zu einer freudigen Überraschung kommt es bei der Übersiedlung der Bauakte: Inmitten von 6000 Ordnern liegt eine sorgfältig gebundene, unversehrte Mappe mit Originalplänen, Kostenvoranschlägen, Abrechnungen und Schriftverkehr über den Bau der Synagoge in St. Pölten, signiert von BM Rudolf Jäger - 1912, die "feinen Triebe", mit denen unsere Firmengeschichte beginnt, sind damit dokumentiert.




